terça-feira, 3 de junho de 2014

Die Münze

Ferdinand war ein gutherziger Junge, sensibel gegenüber dem Leid der anderen.
Eines Tages ging er auf einer Straße am Stadtrand an einem sehr arm aussehenden Haus vorbei, wo zwei magere und blasse Kinder vor der Tür spielten.
Spontan näherte er sich und kam mit den Kinder ins Gespräch. Dabei erfuhr er, dass sie keinen Vater hatten und dass die Mutter auf der Arbeit war um für den Unterhalt des Hauses zu sorgen. An dem Tag hatten die Kinder noch nicht gegessen, was sie nur nach der Rückkehr der Mutter machen würden.
Von Mitleid ergriffen wünschte sich Ferdinand er könnte helfen. Aber wie? Auch er hatte keine Mittel und sein Vater arbeitete viel damit ihnen zu Hause nichts fehlte.
Dann hatte er eine Idee. Er hatte viele Freunde, und auch wenn er alleine nicht viel helfen konnte, so konnten sie gemeinsam doch vieles machen.
Er versammelte die Freunde und erklärte ihnen sein Plan. Wenn jeder mit ein Wenig beitrug konnten sie dieser Familie schon beachtlich helfen. Alle waren sie mit Ferdinands Idee einverstanden. Voller Eifer entschieden sie sich die Suche nach Helfern und Unterstützung auch weiter auf Verwandte, Bekannte, Freunde und Nachbarn zu erweitern. Mit mehr Mitteln könnten sie dann die Hilfe auch an weitere Familien in Not anbieten.

Und so wurde es gemacht. Sie bekamen nicht nur Nahrungsmittel, Kleidung und Schuhe, sondern jeder spendete auch Arbeitszeit, widmete sich den Kindern,  half in dem Haushalt und in der Hausaufgabenbetreuung.
Wie vorgesehen breitete sich die Unterstützung allmählich auch an andere gleichweise notbedürftigen Familien der Umgebung aus.
Alles waren glücklich und optimistisch.
Als Ferdinand um die Unterstützung eines Jungen in der Schule fragte, von dem er wusste, dass er sehr reich war, wurde er von der kalten und unberührten Antwort des Jungen sehr enttäuscht:
„Ich habe nichts zu geben.“
„Wie? Du bist doch der reichste Junge in der Schule!” wunderte er sich.
Da Ferdinand nicht gleich aufgab holte der Junge dann doch noch etwas ungern eine kleine Münze aus der Tasche und übergab sie:
Das ist alles was ich geben kann.“
Ferdinand schaute die Münze perplex an und wollte sie erst eigentlich gar nicht annehmen, weil sie ja fast gar nichts wert war. Dann steckte er sie doch ein, bedankte sich und ging  empört fort.
Als er zuhause ankam, erzählte er die Geschichte der Mutter und fügte hinzu:
„Ich wollte die Münze erst gar nicht annehmen, da es ja eine Beleidigung gegenüber der Not anderer ist. Die ist ja nichts wert!“
Die Mutter schaute ihn an und sprach ruhig:
„Dann hättest du aber sehr schlecht gehandelt, mein Sohn. Du solltest lernen, dass im Leben jeder das gibt, was er hat. Und das steht oft in keinem Verhältnis mit dem, was man glaubt das der Mensch hat.“
„Wie meinst du das Mutter? Verstehe ich nicht. Er ist sehr reich!...“
„Ganz genau. Aber hat es nicht gelernt etwas von sich zu geben. Deshalb, mein Sohn, ist diese Münze, die du so verachtest, die Gelegenheit deines Freundes etwas zu geben, das für ihn sehr viel bedeutet. Verstehst du?“
„Ich verstehe. Du willst damit sagen, dass die Gabe eine Lehre ist, die wir üben müssen“ antwortete der Junge, erstaunt über die weisen Wörter seiner Mutter.
Richtig, mein Sohn. Der Egoismus ist eine Krankheit von der wir uns nur sehr langsam befreien. Und dein Freund macht gerade die ersten Schritte um dieses schreckliche Übel zu überwinden.
Ferdinand schaute mit verändertem Blick auf die kleine Münze, die auf seiner Handfläche funkelte, und bedankte sich für die erteilte Lehre.
Er rahmte die Münze ein und hängte sie gut sichtbar an die Wand in seinem Zimmer, um diese Lehre nie wieder zu vergessen.
Ein Jahr später war sein Freund schon vollkommen in der Gruppe integriert und leistete glücklich und voller Freude seinen Beitrag. Darüber konnten alle anderen nur staunten.
                                                        Tante Celia   

 
(Autor: Célia Xavier de Camargo; Übersetzung: Igor Oberding) 

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