terça-feira, 4 de junho de 2013

Der Neid

 
Toni und Karl waren Klassenkameraden, aber Toni mochte Karl nicht sehr.  

Toni gehörte zu einer armen Familie, wohnte in einem weit entfernten Vorort in einem schlichten und einfachen Haus. Karl war reich, trug teure Kleidungen, schön scheinende Schuhe und sein Pausenbrot war immer besser als das von den anderen Kindern.

Deshalb mochte Toni ihn nicht und empfand ihn hochmutig und fremd. Im Grunde war Toni auf Karl neidisch.        

Eines Tages, durch Zufall, waren beide früher an der Schule angekommen. Die anderen Kollegen waren noch nicht angekommen, und da Toni niemand anderen zum plaudern hatte, näherte er sich von Karl, als er sah wie dieser ihm zulächelte.

Als er so mit Karl redete merkte Toni, dass der Junge eigentlich ganz nett und sympathisch war. Verwundert fragte er:

„Warum bist du in der Pause immer so alleine und entfernt von den anderen Kollegen?“
  
„Weil ich schüchtern bin“ antwortete Karl.  

Toni konnte seine Überraschung nicht zurückhalten:

„Schüchtern?!... Ich dachte du wärest hochmutig und wolltest deshalb nicht mit uns spielen!...“

Sie schlossen Freundschaft und Karl lud Toni ein, ihn ein Tag bei sich zuhause zu besuchen. Dieser, der ja arm war, hatte immer große Lust das Haus des Freundes kennen zu lernen und nahm die Einladung glücklich an.

Am vereinbarten Tag holte der Fahrer ihn mit einem hoch polierten Auto an der Schule ab. Als er in das weiche Polster sank hielt er die Luft an. Er war euphorisch.

Als sie sich der großen Villa näherten konnte Toni die Begeisterung nicht mehr zurückhalten.
Sie kamen an. Toni lernte das große Anwesen kennen, hatte eine Überraschung nach der anderen und interessierte sich für alles.

„Karl, du musst sicherlich sehr glücklich sein hier zu wohnen.“

Der Junge aber antwortete mit seinem traurigen Blick:

„Nein, ich bin nicht glücklich.“

„Aber warum?“ stotterte Toni ohne es zu verstehen. „Du hast ja alles, es fehlt dir nichts! Du hast sogar ein eigenes Schwimmbecken und kannst schwimmen wann immer du willst!“

„Nein, kann ich nicht. Ich leide an Bronchitis und habe Angst mich zu erkälten. Aber wenn du schwimmen willst, bitte.“

„Aber du kannst kaufen was du willst, kannst riesengroße Eisportionen essen...“

„Da irrst du dich aber. Ich habe dauernd Mandelentzündungen und trinke nichts Gekühltes.“

„Aber du kannst Bonbons, Süßigkeiten und gefüllte Kuchen essen...“

„Ich bin Diabetiker und kann keine Süßigkeiten essen“ erklärte Karl und seufzte.  
 
  Furchtbar erschrocken suchte Toni nach irgendetwas um den Freund zu begeistern:
„Allerdings… du hast dieses riesengroße und luxuriöse Haus! Nur hier zu wohnen würde mich schon zufrieden stellen, Karl.“
Der Junge antwortete ihm mit einem traurigen Lächeln:

„Das Haus ist riesengroß, luxuriös und… lehr. Hier wohnen nur ich und mein Vater. Meine Mutter ist gestorben als ich noch klein war und sie fehlt mir sehr.“

Nach einer Überraschung nach der anderen merkte Toni allmählich, wie so oft die Sachen ganz anders sind, als das was wir uns vorstellen.

Er verabschiedete sich von Karl am Ende des Nachmittags. Mit Tränen in den Augen erreichte er sein Zuhause. Dieses einfache Haus erschien ihm nun mit anderen Farben. Er fand es auf einmal sogar schön, mit den Blumen im Garten und den Gardinen hinter den Fenstern.

Die Mutter kam ihm entgegen und er umarmte sie, betroffen wie er war, mit großer Zuneigung. 
Toni erzählte ihr über die Lehre, die er an diesem Tag erfahren hatte, wie er einen Jungen, von seinem Aussehen getäuscht, falsch eingeschätzt hat und wie er immer neidisch auf ihn gewesen war. Zuletzt folgerte er:

„Ach Mama! Jetzt verstehe ich, dass der Reichtum nicht alles im Leben ist und dass es viel wichtigere Sachen gibt. Ich würde sehr gerne meinem Freund Karl helfen, weiß aber nicht recht wie.“
„Ja, mein Sohn. Wir werden alles was in unseren Möglichkeiten ist unternehmen, um das Leben von deinem Freund glücklicher zu gestalten. Du kannst auf mich zählen.“

Die gütige Frau machte eine Pause, als ob sie überlegte, und schlug vor:

„Wir können damit anfangen, mein Sohn, indem wir ihn über die Unsterblichkeit der Seele erzählen. Als Spiritisten können wir ihm Trost und Hoffnung vermitteln, indem wir ihm erklären, das die Mutter die er so liebt weiter lebt und ihn liebt und beschützt, wo immer sie sich befindet, und das irgendwann, so Gott will, sie sich wiedersehen werden können.

Toni schaute die Mutter an und sagte:

„Ja, Mama. Wie habe ich nicht vorher schon daran gedacht? Karl wird sich sehr freuen, da bin ich sicher, und wird das Leben aus einem anderen Blickpunkt sehen.“

Toni seufzte und fügte hinzu:

„Wie glücklich ich bin! Ich der dachte nichts zu haben, habe doch alles was ich brauche.“

Tante Celia
 
 
(Autor: Célia Xavier de Camargo; Übersetzung: Igor Oberding)
 



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