terça-feira, 4 de junho de 2013

Das kleine Waisenkind

 
Richard war ein Junge der in einem bequemen Haus wohnte und ein ruhiges und sicheres Leben genoss. Eine liebevolle Familie umsorgte ihn und er ging zu einer guten Schule wo er viele Freunde hatte.

Richard gab sich mit dem, was Gott ihm gegeben hatte, aber nicht zufrieden. 
Er wollte immer etwas mehr und seufzte über alles was seine Freunde hatten. 
Wisst ihr was das ist? Ein sehr hässliches Gefühl, das NEID heißt. 
Wenn die Eltern ihm ein kleines Spielzeugauto schenkten, beschwerte er sich wütend: 

 „Diesen Mist will ich nicht. Ich will ein ferngesteuertes Auto, wie das was der Edward zum Geburtstag geschenkt bekommen hat!“

„Aber mein Sohn, das ist sehr teuer!“ sprach die Mutter traurig.

„Ist mir doch egal. Ich will, ich will und ich will!“ schrie er und stampfte mit dem Fuß. 



Wenn die Mutter ihm liebevoll ein Kleidungstück kaufte, sprach er mit Verachtung:

„Wie hässlich! Meinst du, dass ich ´das´ anziehen werde? Das ist nichts wert!“

„Als ich das Kleidungstück im Laden sah fand ich es schön und dachte an dich, mein Sohn“ erklärte die Mutter mit schwerem Gemüt.

„Dann kannst du es wieder zurückgeben. Das werde ich nicht benutzen. Ich mag teure Klamotten aus feinen Läden anziehen. Eigentlich will ich eine Jeanshose wie die vom Robert.“

Bei den Mahlzeiten war es auch immer dasselbe Problem. Richard beschwerte sich über alles:

„Gemüse schon wieder?“

„Ja, mein Sohn. Gemüse ist gut für die Gesundheit und schmeckt gut.“

„Das esse ich eben nicht!“ schrie der Junge und schubste sein Teller grob von sich. „Wenn es wenigstens ein gebratenes Hühnchen wäre, so wie das was ich neulich in Adrians Hause gesehen habe, würde ich es essen.“

„Mein Sohn“ antwortete die Mutter leicht verärgert „das ist teuer und das Leben ist schwierig. Du weißt, dass uns nichts fehlt, aber dass Papa hart arbeitet um unseren Lebensunterhalt zu sichern. Wir sollen Gott dankbar sein für alles was wir haben und für das ruhige Leben, das wir genießen.“

Der Junge schüttelte die Schultern mit Verachtung und ging murrend raus.

Richards Mutter bat in ihren Gebeten zu Gott immer, dass Er ihrem neidischen und egoistischen Sohn helfe das Leben mit anderen Augen zu betrachten.

Eines Tages hatte der Junge sich mit den Eltern zerstritten: er hatte erfolglos den Kauf eines neuen Fahrrads bei den Eltern gefordert. Als er es nicht bekam ging er die Tür schlagend heraus, weinend und fluchend:

„Keiner mag mich! Niemand gibt mir was ich will! Ich bin ein unglückliches, verlassenes Kind. Ich habe Lust von zuhause zu verschwinden!“

Richard erreichte einen Platz und setzte sich auf eine Bank. Dort zusammengekauert entschloss er sich nicht gleich nach Hause zurück zu gehen. Er wollte den Eltern einen Schrecken einjagen.

Nach einigen Minuten bemerkte er ein Kind, was etwas kleiner als er war, auf den Boden saß und sehr traurig wirkte.

Ohne genau zu wissen warum näherte er sich dem Kind. Eigentlich interessierte er sich nie für die Probleme der anderen.

„Hallo!“ sagte er kleinlaut als Begrüßung.

Der Junge erhob den Kopf und Richard bemerkte, dass er weinte.

„Ist was passiert?“ fragte er ohne großes Interesse.

„Ich fühle mich so einsam. Ich habe niemand der mich mag. Ich bin ein Waisenkind und lebe auf der Straße“ murmelte der Junge.

„Wie denn das? Hast du kein Zuhause?“

„Nein. Als meine Eltern gestorben sind bin ich bei einer Tante wohnen gegangen. Aber sie misshandelte mich und zwang mich zu stehlen, unter dem Vorwurf dass ich viel essen würde und ihr viele Spesen verursachen würde. Nach einiger Zeit habe ich es nicht mehr ausgehalten und bin geflohen. Seit diesem Tag schlafe ich auf den Bänken auf der Straße.“

„Und wo isst du?“

Der Junge lächelte. Es war ein trauriges und untröstliches Lächeln.

„Normalerweise bitte ich um ein Teller Essen an irgendeinem reichen Haus, was ich aber nicht immer bekomme. Also suche ich in den Abfalltonnen nach etwas zum Essen. Du kannst dir ja nicht vorstellen wie viel gute Sachen man in einer Mülltonne findet!“

Richard, der sich niemals vorgestellt hatte, dass es Menschen gibt, die solche Bedürfnisse erlitten, war erstaunt und schockiert.

„Wie alt bist du? Wie heißt du?“

„Ich bin acht Jahre alt und heiße Josef. Und du? Du bist ja auch traurig! Hast du auch niemand?“

„Doch, habe ich Josef“ sprach Richard zufrieden. „Ich habe eine wunderbare Familie und würde mich freuen wenn du sie kennen würdest. Meine Mutter ist sehr gütig und kocht ein einfaches aber sehr schmackhaftes Essen. Willst du mit mir Mittagessen?“

Josef nahm die Einladung mit Freude an. Seit dem Tage zuvor hatte er nichts mehr gegessen und war sehr hungrig.

Zuhause ankommend stellte Richard seinen neuen Freund vor und bat zwischen Tränen um Entschuldigung für sein Benehmen.

„Mama, ich verstehe jetzt, das Gott sehr gütig war, als er mich mit einem guten und bequemen Haus und einer liebevollen Familie segnete, die sich um mich kümmert. Was kann ich sonst noch wollen?“

Sehr froh über die Änderungen, die sich am Sohn vollzogen hatten, umarmte die Mutter ihn berührt uns sagte ihm sanft:

„Wie gut mein Sohn, das du so denkst. Gott hörte meine Gebete. Wenn wir nicht an Geld reich sind, so sind wir doch an Liebe, Frieden, Freude und Gesundheit reich, nicht wahr?“

„Das ist wahr, Mama“ stimmte Richard lächelnd zu.

Josef blieb für ein paar Tage in diesem Heim und passte sich so gut an die häusliche Umgebung an, dass er auf Bitte von Richard, der sich ihm sehr genähert hatte, von der ganzen Familie unter Freuden aller adoptiert wurde.

Tante Celia 

(Autor: Célia Xavier de Camargo; Übersetzung: Igor Oberding)


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