terça-feira, 4 de junho de 2013

Das Geburtstagsgeschenk


Die nur sechsjährige Angela war mit Charlotte, ihrer Großmutter von mütterlicher Seite her, die in
einer von ihrem Haus entfernten Küstenstad wohnte, sehr besorgt.

Zufällig hatte sie in einem Gespräch der Eltern aufgeschnappt, dass Oma Charlotte sehr krank war und der Arzt um ihre Gesundheit besorgt war. Vielleicht müsste sie sogar einer Operation unterzogen werden. Verzweifelt fragte sie also ihren Vater:

„Papa, was geht mit Oma Charlotte vor? Wird sie sterben?”

„Nein Kind, natürlich nicht! Außerdem hast du ja schon gelernt, dass keiner stirbt, sondern nur das Leben wechselt, nicht wahr?“ sagte der Vater und beruhigte sie.

„Das ist wahr. Aber geht es ihr sehr schlecht? Versehentlich hörte ich euch unterhalten und merkte das Mutter sehr traurig ist. Ich habe die Oma sehr lieb und will wissen was sie hat!“

Rubens bemerkte die Unruhe des Mädels, setzte sich in einen Stuhl, zog die Tochter an sich heran, umarmte sie zärtlich und sprach aufrichtig mit ihr:

„Schau einmal mein Kind, du bist für dein Alter ja schon sehr reif und ich glaube du wirst es
verstehen. Die Wahrheit ist, dass wir nicht wissen was deine Oma hat. Der Arzt ist zu ihrem Gesundheitszustand noch zu keiner Schlussfolgerung gekommen.

Er legte eine Pause ein und fuhr wieder fort, als er den traurigen Ausdruck des Mädels sah: 
 
„Allerdings lehrt uns Jesus, dass wenn unser Glaube auch nur so groß wie ein Senfkorn ist, wir alles erreichen werden was wir wünschen. Und die Spiritistische Lehre erklärt uns die Kraft der Gedanken. So ist für den Glaubenden nichts unmöglich. Also bete und bitte Jesus deiner Oma zu helfen. Hast du verstanden?“

„Habe ich Papa. Ich werde jeden Abend beten und Jesus darum bitten, dass er die Oma heile.“
An diesem Abend erhob die kleine Angela vor dem schlafen ihre Gedanken zu Jesus und betete, wie sie es nie zuvor getan hatte. Sie erinnerte sich an die Lehren aus dem Religionsunterricht der spiritistischen Gemeinde, die von der Wichtigkeit des positiven Denkens handelten. Sie hatte auch gelernt, dass beim Schlaf der Geist sich löst und dort hingeht, wo er will. Also flehte sie den großen Meister an es ihr zu ermöglichen die Oma Charlotte zu sehen. Sie hatte große Sehnsucht und wollte sich über ihren Gesundheitszustand informieren.

Angela schlief ein und träumte.

Sie träumte, dass sie am Haus ihrer Oma ankam. Die gütige alte Frau lächelte und öffnete die Arme um ihre Enkeltochter zu empfangen.

„Angela! Was für eine Freude dich zu sehen, meine Liebe. Komm rein!”

Sie redeten lange. Angela stillte die Sehnsucht nach der Oma und nach deren wunderschönen Garten voller Birnen-, Äpfel- und Pflaumenbäumen. Sie spazierten Hand in Hand  unter den Bäumen während Briesen an den grünen Blättchen wackelten.

Als sie sich erinnerte, weshalb sie dort war, fragte Angela:

„Oma, ich habe gehört du bist krank, und wir sind besorgt!“

„Mache dir keine Sorgen, Kind, mir geht es gut. Ich habe erneute Untersuchungen gemacht, die nichts ergaben. Sei beruhigt. Ich werde sogar ein Kleid fertig machen, womit ich begonnen hatte. Willst du es sehen?”

Neugierig ging Angela mit der Oma bis zur Nähmaschine und sah tatsächlich ein wunderschönes Kleid, das fast fertig war.

„Wie schön Oma!”

  „Es ist für dich! Ich will es zu deinem Geburtstag mitbringen. Ich wollte dir eine Überraschung machen, aber jetzt weißt du es schon.“

„Das macht  nichts, Oma. Ich bin froh, dass es dir gut geht. Es hat sich gelohnt zu kommen“ sagte das Mädchen und umarmte die Oma glücklich.


Das Mädchen sah nichts Weiteres mehr. An dem folgenden Morgen erwachte sie zufrieden und wohl auf. Sie bereitete sich für die Schule vor und als sie am Frühstückstisch saß und ihren Tee trank, erinnerte sie sich an den Traum.

„Mama! Diese Nacht habe ich von Oma Charlotte geträumt!“
Wilma tauschte einen besorgten Blick mit ihrem Mann aus.
„Und wie geht es ihr?”

„Es geht ihr wunderbar! Wir haben viel gesprochen. Sie hat mir erzählt, dass sie neue Untersuchungen durchgeführt hat, und dass diese nichts ergaben, was der Arzt erwartet hätte.“
„Aber wie weißt du denn von diesen Sachen?“

„Ich sagte dir doch eben, dass ich Oma Charlotte bei ihr zuhause besucht habe, oder?“
Angelas Vater versicherte ihr, dass er ihr glaubte. Die Mutter war allerdings verwirrt. Das Mädel fuhr fort:

„Und noch was. Die Oma macht mir ein wunderschönes Kleid! Ganz blau, rosa und weiß. Das wird toll!...”

Die Mutter befürchtete, dass sich die Tochter enttäuschen könnte und erwägte:

„Angela, ich weiß, dass du deine Oma sehr liebst, aber das war nur ein Traum! Erwarte kein Kleid, weil auch keines kommen wird, Kind.“

„Wird es wohl Mama! Es ist wahr. Ich sagte doch, dass ich sie besuchen war. Du kannst sie sogar anrufen wenn du willst.“ 

Um die Zweifel zu tilgen rief Wilma ihre Mutter an und bekam Bestätigungen zu all dem, was Angela erzählt hatte. Als sie das Telefongespräch beendete, guckte sie die Tochter vollkommen verwundert an:

„Es ist wahr, Kind. Du bist dort gewesen!...”

„Natürlich! Weißt du nicht, dass das passieren kann, Mama? Ich lernte von der Religionslehrerin, dass wenn wir schlafen, der Geist dort hingeht, wo er will!“
   
Und als Opa Franz und Oma Charlotte zu Angelas Geburtstagsfeier kamen, öffnete das Mädel erwartungsvoll das schön verpackte Geschenk. Sie nahm das Kleid in die Hand und bestätigte stolz:
„Genau wie ich es erwartet hatte! Danke, Oma!”

Tante Celia

(Autor: Célia Xavier de Camargo; Übersetzung: Igor Oberding;)


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